Fazit

Nun sind wir seit 2 Wochen wieder zu Hause, der Jetlag ist überwunden, die Autos wieder angemeldet, der Kühlschrank gefüllt. Zoé schläft anstandslos in ihrem Bettchen und Jan geht wieder zur Arbeit. Man ist so schnell wieder drin im Alltag, im normalen Leben. Doch die Erinnerung bleibt, die gemeinsame Zeit kann uns niemand mehr nehmen. Immer wieder fällt einem spontan eine Situation oder ein Moment aus der Reise ein, immer wieder wird man durch etwas anderes an ein schönes Erlebnis erinnert und man muss lächeln. Bis die ganzen Fotos sortiert und gesichtet sind wird es noch dauern. Und ihr kennt uns – wir wären nicht wir, wenn wir nicht schon wieder neue Pläne schmieden würden 😊

Uns wurden viele Fragen gestellt in den letzten Tagen, die ich versuchen möchte im Folgenden zu beantworten. Wenn euch jedoch noch eine andere Frage auf der Seele brennt oder ihr gar selbst über eine Langzeitreise nachdenkt meldet euch sehr gern bei uns – uns hat der Austausch mit anderen Reisenden im Vorfeld sehr geholfen!

Unsere Route durch die USA, 30.000 Km
Unsere Route durch die USA, 30.000 Km

 

Die USA als Reiseziel

Zugegeben – es war nicht unsere erste Wahl. Und doch können wir im Nachhinein sagen, dass wir es nicht besser hätten treffen können. Die Menschen waren durch die Bank weg freundlich und hilfsbereit, wir durften so viele schöne Momente erleben und haben so viel Spaß mit ihnen gehabt. Die vielen Vorurteile gegenüber Amerikanern, etwa das sie oberflächlich, ungebildet oder gar narzisstisch wären, können wir absolut garnicht bestätigen.

Nicht ein einziges Mal haben wir uns wirklich unsicher gefühlt. Ja, es gab während unseres Reisezeitraums einen Terroranschlag in New York City einen Tag nachdem wir dort waren und eine Massenschießerei in Las Vegas während wir dort waren. Doch rein zum Vergleich: im gleichen Zeitraum gab es 17 Terroranschläge in Europa…

Die Amerikaner sind Camper, dementsprechend ist die Outdoor-Infrastruktur im ganzen Land perfekt ausgebaut. Überall finden sich Picknick- und Grillplätze, Stadtparks und öffentliche Seen oder Strände. Man darf auf sogenanntem „BLM-Land“, also öffentlichem Land wie beispielsweise National Forests, sogar kostenfrei übernachten, ebenso auf fast allen Walmart Parkplätzen und vielen Raststätten. Die Campingplätze waren alle wunderschön, mitten in der Natur und mit soooo viel Platz. An Häfen, Raststätten und Nationalparks gab es Duschen, Supermärkte hatten meist 24/7 geöffnet und es gibt eine unendliche Vielzahl von Restaurants. Man hätte es uns nicht einfacher machen können. 

Und das Land an sich – traumhaft! Die einzelnen Staaten sind unglaublich unterschiedlich, überall gibt es etwas anderes zu sehen. Mega Städte wie New York oder Seattle stehen im Gegensatz zu Farmhäusern oder kleinen Dörfern mit 10 Einwohnern, es gibt die Rocky Mountains und die unendliche Steppe der Plains, Wälder und Seen im Nordosten, Wüste und Felsen im Westen. Karibische Strände an türkisfarbenem Meer, einsame Seen und heiße Quellen in verlassenen Wäldern. Jede Ecke hat ihre eigenen Highlights und sicher gefällt jedem etwas anderes ganz besonders gut. Wir persönlich schaffen es nicht uns auf DAS Highlight festzulegen, wir haben jedoch eine kleine Favoritenliste. Die schönsten Staaten waren für uns Virginia, Michigan, South Dakota, die Region um Yellowstone / Grand Teton, die Oregon Coast und New Mexico. Besonders gut gefallen haben uns aber auch die großen Seen, die Nationalparks in Utah und Umgebung wie die Canyonlands, Arches oder die Great Sand Dunes und der verwunschene Regenwald auf der Olympic Peninsula in Washington. Der alten Route 66 zu folgen war ein unvergessliches Highlight und der sonnige Herbst auf dem Blueridge Parkway wird uns unvergesslich bleiben. Ganz zu schweigen von so tollen Städten wie Cleveland oder Memphis. Oder die kleinen Fischerdörfer am Meer mit ihren leckeren Fischlokalen. Und dann natürlich Hawaii – tropischer Dschungel, Puderzucker­strände, Riesenschildkröten und blubbernde Lava – ein unvergesslicher Trip! All dies sind unfassbare, faszinierende Plätze auf der Erde, die schönsten Momente für uns waren jedoch die kleinen Dinge. Ein nettes Gespräch mit einer Familie von den Keys auf dem Campground, ein leckerer Burger bei Smuggler´s Landing in Port Angeles, Zoé´s erste Schritte auf einer Wiese am Tag der Sonnenfinsternis, der erste Freisteh-Platz mit unfassbarem Ausblick über die Badlands usw. usw.

 

Und das Wetter?

War fantastisch – wir hatten praktisch ein halbes Jahr lang Sommer 😊. Zwischendurch war es uns mal zu heiß, aber wir hatten fast keinen Regen und selbst zu Beginn und am Ende der Reise noch Tage voller Sonnenschein. Bis auf einige Waldbrände, die unsere Reisepläne etwas kreuzten, sind wir auch vor weiteren Naturkatastrophen verschont geblieben.

 

Reisen zu Dritt

Auch hier können wir nur sagen, dass alles viel besser geklappt hat als erwartet. Zoé ist ein unfassbar glückliches und aufgeschlossenes Baby – sie hat immer und überall etwas / jemanden zum Spielen und Lachen gefunden. Weder das Fliegen, noch das Fähre oder Auto fahren hat ihr etwas ausgemacht, sie hat wechselnde Motelbetten problemlos akzeptiert, ebenso das Bett im Wohnmobil und ihren Reisebuggy. Ob Regen oder Hitze, kaltes Wasser oder große Höhenunterschiede – Zoé zeigte sich unbeeindruckt. Selbst der Jetlag hat sie nicht weiter gestört, nach spätestens 3 Nächten hatte sie sogar die 6 Stunden am Reiseanfang/-ende überwunden. 

Wir alle 3 waren in den 6 Monaten kein einziges Mal krank und mussten nie zum Arzt oder in die Apotheke. 

Spielzeug hatten wir für sie dabei und wir haben unterwegs auch immer mal wieder etwas Neues gekauft, im Groben kann man aber sagen, dass ein Eimerchen und ihre Stapelbecher völlig ausgereicht hätten. Am liebsten hat Zoé draußen Steine oder Nüsse gesammelt, im Sand gebuddelt und im Wasser geplanscht. Tiere sind ihr großes Highlight und da wir meist mitten in der Natur waren, hat sich immer und überall ein Reh, Hörnchen oder eine Ente zum Füttern gefunden, notfalls mussten die Kühe auf der Weide oder der Nachbarshund herhalten 😉

Natürlich haben wir unser Reisetempo und unsere Art zu Reisen auf unsere neue Familienkonstellation anpassen müssen. Mit etwas Planung und Organisation war jedoch trotzdem fast alles möglich. Museen haben wir entweder getrennt besucht oder haben Zoé im Buggy durchgeschoben während sie ihren Mittagsschlaf gemacht hat. Für längere Wanderungen hat Jan sie in die Trage genommen und beim City-Sightseeing wurden regelmäßig Spielplätze, Picknickwiesen, Cafés oder Kinder-Pools angesteuert. Auch Restaurantbesuche waren überhaupt kein Problem, Amerikaner sind so kinderlieb, es war nie ein Thema Zoé herumkrabbeln oder rennen zu lassen und idR hat sie immer direkt etwas zum Spielen geschenkt bekommen. Und Shoppingmalls oder der wöchentliche Großeinkauf bei Walmart entwickelten sich zu Zoé´s Lieblingsausflügen, man konnte zwischen den Regalen schließlich so toll verstecken spielen, Sachen ausräumen und zwischendurch noch Blueberrys naschen 😊.

Für uns persönlich war „Baby-led-weaning“ die richtige Entscheidung was das Thema Beikost angeht, sie hat von Beginn an einfach am Familienessen teilgenommen und ich habe sie so lange und oft gestillt wie sie es noch mochte. In den Supermärkten waren die Bioprodukte sowie Obst, Gemüse und Fleisch zwar deutlich teurer als daheim, dafür war die Auswahl größer und ich konnte Zoé problemlos jederzeit etwas leckeres, salz- und zuckerfreies zu Essen anbieten. Im Restaurant hat sie anfangs von unserem Essen mitgenascht, zum Ende hin haben wir ihr meist ein Kinder-Essen wie Nudeln oder mal einen Corn-Dog bestellt und haben die Reste für den nächsten Tag mitgenommen. Gestillt hat sie dann nur noch zum Einschlafen und exakt mit unserer Rückkehr nach Deutschland hat sie auch hiermit aufgehört – offensichtlich beginnt auch für sie ein neuer Lebensabschnitt 😊.

Auch wenn für uns alles so gut geklappt hat, so war ich Planungs-Mensch aber natürlich in allen Bereichen auf das Schlimmste vorbereitet, wer also Fragen zum Thema Reiseapotheke, Fliegen mit Baby oder Equipment hat, darf sich gern bei mir melden.

 

Organisatorisches

Es würde den Rahmen sprengen hier nun alles im Detail aufzulisten und Vieles wurde ja in den Vorbereitungen schon erwähnt, deshalb nur ein paar Hauptpunkte:

Die Verschiffung mit Seabridge hat absolut reibungslos geklappt, alles war hoch professionell organisiert und unser Jolly Sprinter hat keinen Kratzer abbekommen. Bei unserer Wohnmobil­größe rechnet sich das Verschiffen im Vergleich zum Mieten vor Ort bereits ab einer Reisezeit von 4 Wochen.

Wir haben keine Übernachtungsplätze vorgebucht, außer während der Zeit mit Tatj´s Family weil man mit 2 Parteien eben doch etwas unflexibler ist. Für uns war das definitiv die richtige Entscheidung da wir so täglich spontan entscheiden konnten wie die Reise weitergehen sollte. Sehr hilfreich war hierbei auch die App „iOverlander“, eine Datenbasis für weltweite Freisteh-Plätze.

Navigiert haben wir meist mit Google-Maps, für den Notfall hatten wir ein Tom-Tom dabei. Campingplätze, Duschen, Motels, Restaurants und Supermärkte gab es wie erwähnt überall, ebenso Waschstraßen für unseren Jolly Sprinter und Laundrys für unsere Wäsche. Die Infrastruktur hätte für unsere Reise nicht besser sein können.

Wir mussten weder unsere Auslands-Kfz-Versicherung noch unsere Auslandskrankenver­sicherung in Anspruch nehmen, weshalb wir hierzu nichts sagen können. 

Unsere Telekom-USA-SIM-Karte war total für die Füße, da man mit ihr nur an den beiden Küsten Empfang hatte. Wir sind zwischendurch auf AT&T umgestiegen, was sich als die deutlich bessere Wahl herausgestellt hat.

Unverzichtbares Camping-Equipment waren für uns der Camp-a-Toaster, eine kleine Säge und Axt, ein vernünftiges Schweizer Messer und eine gute Taschenlampe. Auch der Omnia hat uns gute Dienste geleistet und unsere Campingküche um Kuchen, Aufläufe, Brot und Pizzen erweitert. Die wichtigsten Sachen für Zoé waren der handliche Camping-Hochstuhl, der Wickelmax von Hoppediz, ein faltbarer Reise-Buggy und ihre Saugnapf-Teller. Was unseren Jolly Sprinter angeht waren wir sehr dankbar über die Mosquitonetze an allen Türen und Fenstern und auch mit der Stromversorgung sind wir trotz häufigem Frei-Stehen sehr gut klar gekommen. Zwei leistungsstarke Powerbanks versorgten unsere elektronischen Geräte unterwegs mit Strom und das Wohnmobil lief mit der Kombination aus Solar-Panels und einem Trennrelais, welches während der Fahrt die Wohnraum-Batterie auflud, wie am Schnürchen.

 

Finanzen

Um den Lieblingssatz unserer Neider im Voraus aufzugreifen: Elternzeit bedeutet Zeit mit seinem Kind, mit seiner Familie zu verbringen. Und das haben wir getan. Freundlicherweise stellt der Staat uns hierfür Elterngeld zur Verfügung. Wir alle haben das bekommen, ganz gleichberechtigt. Und ob ich nun 1.000 Euro in ein Flugticket oder einen Emmaljunga-Kinderwagen investiere, das sei doch jedem selbst überlassen…

Wir haben insgesamt für die komplette Reise mit allem 29.116,- Euro ausgegeben, lustigerweise ist das ziemlich exakt das, was wir vorab kalkuliert hatten. Das mag sich in der Summe vielleicht viel anhören, wenn ich es nun aber einmal herunterbreche merkt man, dass das garnicht so viel ist für ein halbes Jahr:

Kosten für An- und Abreise (also Flüge, Verschiffung inkl. aller Gebühren und Mietwagen jeweils zu Beginn und am Ende der Reise) lagen insg. bei 6.591 Euro.

Organisatorisches wie Reisepässe, Visa, Auslandskrankenversicherung, Auslands-Kfz-Versicherung, Telefon-SIM-Karten usw. kommen auf 2.487 Euro.

Für Wohnmobilumbauten und Equipment wie Ersatzkennzeichen, Trafo, USA-Gasflaschen etc. haben wir 252 Euro ausgegeben.

 

All diese Kosten sind bereits im Vorfeld unserer Reise angefallen, da Tatj zu diesem Zeitpunkt noch Elterngeld bezogen und Jan voll gearbeitet hat, konnten wir diese Kosten problemlos zahlen als sie anfielen. Die Kosten unterwegs setzen sich wie folgt zusammen:

 

Übernachtungskosten (inkl. aller Motels, Hotels und AirBnB´s, die die Kosten natürlich in die Höhe treiben) liegen bei 4.339 Euro, was einen durchschnittlichen Übernachtungspreis von 24 Euro macht (für 3 Personen!). Hier hatten wir trotz der teuren Wohnungen in San Diego, New York & Co. viel höher kalkuliert – die vielen Freisteh-Möglichkeiten und günstigen Camps in den Nationalparks waren auch finanziell einfach super!

Für unsere 30.000 Km mussten wir 1.724 Euro tanken.

Einkäufe jeglicher Art (also Lebensmittel, Drogerieartikel, Autoersatzteile, Öl & Gas, Spielsachen, Handy-Guthaben, Geburtstagsgeschenke usw.) belaufen sich auf 4.185 Euro und sind somit im monatlichen Vergleich etwa genauso wie zu Hause.

Wir sind deutlich häufiger Essen gegangen als geplant, was insgesamt mit 2.818 Euro zu Buche schlägt.

Sonstige Ausgaben wie Laundry, Auto waschen, Eintritte, Parkgebühren, Maut usw. belaufen sich auf 891 Euro.

 

All diese Ausgaben konnten wir von unseren monatlichen Bezügen zahlen. Wenn man im Vorfeld dafür gesorgt hat, dass für das Leben zu Hause kaum laufende Kosten anfallen (also Autos abmelden, Wohnung zwischen vermieten, Bausparverträge und Co. still legen, Handyverträge kündigen usw.) dürfte das für die meisten machbar sein. Und die Kosten für Lebensmittel, Drogerieartikel usw. fallen so oder so an, egal in welchem Land.

Das einzige Mal, dass wir an unser Erspartes mussten, war für unsere Reise nach Hawaii. Diese 3 Wochen waren deutlich teurer als erwartet, aber wir verbuchen das einfach mal unter „Urlaub vom Reisen“ 😊. Der komplette Trip (Flüge, Übernachtungen, Mietwagen & Sprit, Eintritte, Essen gehen und Einkaufen – also all inclusive) hat uns 5.829 Euro gekostet.

 

Und zum Schluss...

Vielen Dank für´s Lesen und wem es gefallen hat, der darf gern dran bleiben – unter der Preview erzählen wir euch noch in diesem Jahr von unseren neuen Reiseplänen 😊.