Die Great Plains - Das große Nichts (12.06.-23.06.)

Wisconsin war der erste Staat auf unserer Route gen Westen, mit ihm enterten wir auch die erste Zeitlinie und gewannen eine weitere Stunde. Wisconsin war ein recht idyllischer Staat mit vielen Käsereien, Farmen und Kühen, aber keinen großen Highlights. Wir hielten uns deshalb nicht lange auf und fuhren weiter nach Minnesota. Größtes Highlight hier war für uns die „Mall of America“: 550 Läden + 50 Restaurants, Kinos, Theater, ein Sealife und ein großer Freizeitpark – langweilig wurde es einem hier sicher nicht! Hollister, Abercrombie, Victoria’s Secret & Co. hielten viele tolle Schnäppchen für uns bereit und am Abend gab es leckere Burger bei Hooters. Ansonsten gab es in Minnesota in erster Linie Getreidefelder und Kornsilos. Der  absolute Highlight-Staat auf diesem Routenabschnitt war South Dakota. Wir hatten hier sehr schöne Campingplätze wie beispielsweise im Bear Butte State Park oder dem Big Sioux Camp, wo wir es uns in der Hängematte gemütlich machten und mit Zoé Spazieren gingen und immer wieder verbrachten wir schöne Abende mit netten Menschen wie beispielsweise den Farmern Jim & Becky aus Iowa. Das Beste war jedoch das „dispersed Camping“ – erlaubtes freies Campen auf öffentlichem Land mitten in bombastischer Natur. An der dicht besiedelten Ostküste war dies kaum möglich, doch ab hier hatten wir immer häufiger die Gelegenheit dazu. Wir campten in einsamen Wäldern, auf Klippen mit traumhafter Aussicht, in den Bergen, in Canyons, an Flüssen und Seen oder zwischen beeindruckenden Felsformationen – einfach wunderschön!

In Sioux Falls besichtigten wir die Wasserfälle mitten in der Stadt und aßen bei einem fantastischen Italiener Pizza und Panninis mit Proscuitto, Trauben, Ruccola und Mozzarella zu Mittag. In Mitchell besichtigten wir den kuriosen „Corn-Palace“, ein über und über mit Mais dekoriertes Gebäude, das sich mit einem Museum und einem Souvenirshop ganz diesem Thema widmete. Je weiter westlichen wir fuhren je leerer wurde die Prärie und je größer wurden  die Abstände zwischen den Orten. In der „Old Trading Post“ gab es unzählige „Antiquitäten“, Schrott und Flohmarktartikel sowie Pepsi für 0,10$ zu erstehen. In Al’s Oasis, einem Diner am Wegesrand im Nirgendwo, ließen wir uns Büffel-Burger und irrwitzig üppige Sahnetorten schmecken bevor unsere Fahrt wieder mehrere Stunden durch endloses Grasland führte. An der Westseite des Staates reihten sich die Highlights dann aneinander. Die „Minuteman Missile National Historic Site“ widmete sich dem kalten Krieg und in unterirdischen Silos verborgenen Raketen.

Eine witzige, aus Funk und Fernsehen bekannte Institution folgte nur wenige Meilen später: „Wall’s Drug Store“. In den 30er-Jahren hatten die Besitzer dieses kleinen Drug Stores im winzigen Örtchen Wall mitten in der heißen Prärie die geniale Idee, Kundschaft mit gratis Eiswasser und Kaffee für 5 Cent anzulocken. Um dies publik zu machen stellten sie große Hinweisschilder an den Highways auf, die über die verbleibende Entfernung bis zum Store informierten. Die Idee ging auf und heute gibt es Entfernungs-Hinweisschilder sogar in Europa und Australien. Der Store ist gewachsen, bietet Essen, Souvenirläden und viele kuriose Touristenattraktionen; das gratis Eiswasser und den Kaffee für 5 Cent gibt es jedoch noch immer.

Der Badlands National Park bot unglaubliche Ausblicke auf bunt gestreifte Felsen, Bögen, Hoodoos und Schluchten und auf unseren Erkundungsfahrten sahen wir Präriehunde, Bisons und Dickhorn-Schafe, die sich todesmutig die steilen Klippen hinab wagten. Am Abend hörten wir die Kojoten heulen.

Besonders schön war auch der „Spearfish Canyon Scenic Byway“, wo uns eine Panoramastraße durch einen Canyon direkt am Fluss entlang führte und immer wieder schöne Wasserfälle und andere Möglichkeiten für kurze Pausen bot.

Spannend war auch das verruchte Cowboy-Städtchen „Deadwood“, bekannt durch Wild Bill Hickok, der hier 1876 beim Poker spielen erschossen wurde und dessen Blatt als „Deadman’s Hand“ berühmt wurde. Am Schauplatz dieses Geschehens, dem Old Saloon No 10, wurde diese Szene täglich von Schauspielern nachgestellt und wir konnten dies bei einfachen Sandwiches nachverfolgen. In den restaurierten Holzhäusern der Stadt sind heute über 80 Casinos untergebracht, natürlich verzockten auch wir den ein oder anderen Dollar. Die Besichtigung der „Broken Boot Goldmine“ war ebenfalls ein echtes Highlight, im Anschluss konnten wir sogar sehen wie Gold gewaschen wurde. Auf dem Fish n Fry Campground angelte Jan 2 große Regenbogenforellen aus dem Teich, die uns frisch zubereitet und mit Coleslaw und Kartoffelwedges serviert wurden.

Die Blackhills im Westen South Dakotas waren eine wirklich traumhaft schöne, abwechslungsreiche Gegend, für die wir uns viel Zeit ließen. Kleine Wild-West-Städtchen wechselten sich mit Klippen, Wäldern und Seen ab. Natürlich ließen wir auch die Präsidentenköpfe von Mount Rushmore und das Crazy Horse Memorial nicht aus, Letzteres punktete mit einer spannenden Ausstellung und einem informativen Kurzfilm (wir können uns allerdings absolut nicht vorstellen, dass das Memorial jemals fertig wird…).

Der „Iron Mountain Scenic Drive“ führte uns spektakulär durch Tunnel und Haarnadelkurven in den Custer State Park, wo wir 3 tolle Tage verbachten. Jan angelte im glasklaren Center Lake, wir campten unter Pinien am Lagerfeuer, spazierten um den Sylvan Lake und auf den Scenic Drives sahen wir große Bison-Herden, Elche, Pronghorns, Rehe, Kojoten, Präriehunde, Hörnchen, Esel und Murmeltiere. Im Wind Caves Nationalpark nahmen wir an einer Führung durch das unglaublich komplexe Höhlensystem teil (derzeit gilt sie als die weltweit 6.längste Höhle, allerdings schätzt man, dass erst 5-10% erforscht sind; auf nur einer Quadtratmeile Fläche befinden sich 150  Meilen Höhlenwege – das Ganze ist also mega komplex und verschachtelt). Im Angostura State Park badeten wir im See und grillten am Abend gemütlich, Highlight für Jan war der große Karpfen, den er bei Sonnenaufgang am nächsten Morgen angelte.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verließen wir South Dakota und fuhren durch Wyoming, den am dünnsten besiedelten Staat der USA. Diese Info aus dem Reiseführer können wir auch gern bestätigen, hier gab es meilenweit einfach Nichts soweit das Auge reichte, wir fuhren über Stunden durch plattes, ausgedörrtes Grasland. Vorteil hieran waren die schönen, einsamen Freisteh-Plätze, die wir am Abend anfuhren.

Wir sind nun seit 6 Wochen unterwegs und es fühlt sich für uns wie lauter kleinere, einzelne Reisen an. An der Ostküste gab es alle Nase lang einen 7Eleven, jede Stadt hatte mindestens 3 Walmarts und jede erdenkliche Restaurant-Kette war im Umkreis von max. 10 Meilen zu finden. Wir sind von Stadt zu Stadt getingelt und haben in den Markthallen unsere Vorräte aufgefüllt. Hier im Herzen der USA müssen wir teilweise mehrere Stunden fahren um überhaupt einen kleinen Supermarkt zu finden, große Ketten gibt es praktisch garnicht mehr und gerade wir mit unserem für hier sehr untypischen Diesel müssen jede Tankmöglichkeit in Anspruch nehmen. Wir sind gespannt was uns auf unserem nächsten Reiseabschnitt durch die Nationalparks des Westens erwartet.