Monaco und Frankreich (04.03.2019 – 13.03.2019)

Zurück in unserem Jolly Sprinter machten wir uns gleich auf in Richtung Süden, erstes Reiseland war Monaco. Das Fürstentum gilt nach dem Vatikan als zweitkleinster Staat der Erde und ist so dicht besiedelt, dass es seit einigen Jahren Platz eins der Länder mit der höchsten Bevölkerungsdichte weltweit belegt. Grund hierfür ist neben einer fehlenden Einkommens- und Erbschaftssteuer auch die Tatsache, dass im Ausland begangene Steuerdelikte hier nicht verfolgt werden. Auch die weltweit niedrigste Kriminalitätsrate macht den Staat als Wohnort attraktiv. Und offensichtlich lebt es sich sehr gut hier am Mittelmeer, denn Monaco ist auch das Land mit der weltweit höchsten Lebenserwartung. Nur ein Viertel der Bürger sind wirkliche Monegassen, der Großteil im Land sind (reiche) Ausländer. Jährlich bewerben sich hunderte Menschen um die begehrte Staatsbürgerschaft, wer und wieviele Menschen diese bekommen entscheidet Fürst Albert allein. Mal sind es 70 Menschen, mal nur 7. Eins haben sie aber (fast) alle gemeinsam – Geld. Monaco ist das Land mit der weltweit höchsten Millionärs-Dichte, ein Drittel der Bevölkerung sind Millionäre und es gibt sogar mehrere Milliardäre.

Zugegeben haben wir all dies erst hier vor Ort gelernt, bekannt war uns Monaco in erster Linie wegen der Formel 1, Grace Kelly und der immer so fürchterlich unglücklich aussehenden Charlène. Und gefallen hat es uns ehrlich gesagt überhaupt nicht, alles war völlig verbaut und wirklich schön sahen die unzähligen Hochhausplattenbauten auch nicht aus. Im Hafenbecken schaukelten einige Yachten, wir ließen es uns nicht nehmen mit unserem Jolly durch die Formel 1 Ziellinie zu fahren und auf den Straßen begegneten uns tatsächlich unzählige Ferraris, McLarens und Rolls Royce. Was wir jedoch nicht fanden war ein Parkplatz und so rollten wir nach einer Rundfahrt schon wieder aus dem winzigen Land hinaus und enterten Frankreich. Die Côte d’Azur stand als erstes auf dem Sightseeing-Programm. Von den erhöhten Passstraßen (Corniches genannt) hatten wir grandiose Ausblicke auf das türkisfarbene Meer, auf Monaco und auf die Dächer von Nizza, wobei uns die obere Corniche besser gefallen hat als die mittlere. Viele Küstenorte wie beispielsweise Villefranche-sur-Mer und Saint-Tropez lagen noch im Winterschlaf und waren wie ausgestorben, trotzdem war der Küstenabschnitt unglaublich schön. Schicke Architektur, kaum Bausünden wie in Spanien oder Italien, Palmen und Blumen, kleine sandfarbene Steindörfchen mit Bäckereien und Cafés, toll angelegte Strandpromenaden und immer wieder das karibisch-türkisfarbene Meer. Um die Mittagszeit waren alle Restaurants voll, stundenlang saßen die Franzosen hinter großen Sonnenbrillen bei einer Flasche Wein zusammen und genossen ihre Mittagspause – in Deutschland undenkbar, da wird man schon schräg angeschaut wenn man sich überhaupt das Recht herausnimmt über Mittag 10 Minuten Pause zu machen um was zu essen… Wie erwartet lagen die Fremdsprachenkenntnisse der Franzosen auch hier bei unter 0, mit unserem angestaubten Schul-Französisch kamen wir aber gut zurecht. Am besten gefallen hat uns Nizza. Im Hafenbecken schaukelten bunte Fischerboote neben luxuriösen Yachten, allen voran die 250 Millionen Dollar Yacht vom russischen Supermarkt-Magnat Sergey Galitsky. Es gab eine moderne Neustadt, ein Altstadtviertel, lauschige Bäckereien, Stadtparks mit Spielplätzen und eine schier endlose Strandpromenade. Vom Parc du Chateau aus hatten wir noch einmal einen prima Blick auf Nizza von oben. Das Cap d’Antibes und die Region um Cannes haben uns nicht so gut gefallen weil alles ziemlich zugebaut war, es waren vielmehr die kleinen Orte an welchen wir schöne Spaziergänge, Picknicke mit frischen Baguettes, Käse, Croissants & eisgekühlter Orangina, ruhige Nächte und viele Stunden am Strand verbrachten, die uns in Erinnerung geblieben sind. Gerade etwas weiter im Inland fanden wir teilweise einsame Freistehplätze in der Natur, wie wir sie aus USA kannten. Um beim Thema zu bleiben – hier im Hinterland fanden wir auch die beiden größten Höhepunkte Frankreichs: den „Grand Canyon Europas“, die Schlucht von Verdon, nahmen wir uns als erstes vor. Durch Berge, Kiefernwälder und blau glitzernde Schmelzwasser-Flüsse ging unsere Fahrt immer tiefer in das Land hinein bis wir an der Schlucht ankamen, von den Scenic Roads aus hatten wir grandiose Blicke hinunter zum Fluss. Das Örtchen Moustiers-Sainte-Marie war mit seinen hellen Sandsteinhäuschen am Fluss zwar wirklich hübsch anzusehen, leider hatten ausnahmslos alle Boulangerien, Patisserien, Crèperien, Sandwicherien und Eisläden geschlossen. Zum Glück gab die Boardküche noch genug Baguette, Käse, Chutney und Orangina für ein schönes Picknick am Ufer des Lac de Saint-Croix her. Die weitere Fahrt durch die Provence mit ihren sanften Hügeln war malerisch schön, auch wenn die unzähligen Lavendelfelder leider nicht blühten. Das Örtchen Rustrel mit einem gratis Stellplatz unter blühenden Mandelbäumen bot uns einen perfekten Ausgangspunkt für das zweite Highlight: das „Colorado der Provence“. Etwa 3 Stunden wanderten wir durch die grandiose Landschaft aus roten, gelben und orangefarbenen Sandsteinformationen und wähnten uns in unserem Lieblingsland – mega schön! Auch Roussillon soll als ehemaliges Ockerabbaugebiet eine solch USA-typische Landschaft haben, doch das Ort auf einer Bergkuppe ist von allen Seiten für Womo’s gesperrt. Stattdessen verschlug es uns ins malerische Gordes, von dessen engen Gassen wir fantastische Ausblicke auf das Umland hatten. Zurück an der Küste nahmen wir uns als nächstes die Camargue vor. Wild tosendes Meer, feinsandige Strände und Dünen, unendlich weites Weideland mit Pferden, Schafen und Rindern. Highlight waren natürlich die rosa Salzsalinen, in welchen sich Schwäne, Fischreiher und Flamingos tummelten. Immer wieder luden Aussichtspunkte zu einer Pause ein. In Saintes-Marie-de-la-mer bummelten wir auf dem Deich entlang zum Hafen, im Ortskern aßen wir unser erstes Crêpe während wir den alten Herrschaften beim Boule spielen zuschauten – eine wirklich schöne Gegend! Auf unserer weiteren Reise wollten wir es uns nicht nehmen lassen in Cap d’Agde vorbeizuschauen, dem Ort in welchem Tatj als Kind viele schöne Familienurlaube verbracht hatte. Wir fanden einen schönen Übernachtungsplatz direkt am Meer und konnten am nächsten Tag noch lange spazieren gehen. Narbonne lockte uns mit der angeblich schönsten Markthalle Frankreichs, die jedoch eher klein war, dafür gefiel uns die Stadt an sich gut. Wir spazierten am Fluss entlang über die lange Promenade und bestaunten die unglaublich schöne Kathedrale aus dem 13. Jahrhundert, die nie vollständig fertiggestellt wurde und mit einer großen Orgel und enorm hohen Decken beeindruckte. Das zunehmend schlechte Wetter trieb uns dann weiter über die spanische Grenze und der erste Teil unserer Frankreichreise endete.

 

Fazit Frankreich:

Um ehrlich zu sein hat es uns besser gefallen als wir erwartet haben. Das Meer der Côte d’Azur war wunderschön türkisfarben, die Architektur der Provence mit den kleinen sandfarbenen Steindörfern traumhaft schön und Languedoc-Roussillon versprühte pures Ferien-Flair. Vorallem das Hinterland bestach mit wirklich schöner und vielfältiger Natur. Was uns am meisten überrascht hat ist, wie einfach es in der Nebensaison war hier mit dem Camper zu reisen. Überall gab es gratis Stellplätze mit V/E, an jedem Strand saubere Toiletten und es fanden sich sogar an der Küste schöne Freistehplätze und Orte für ein Picknick (was in der Hauptsaison aber sicher schwieriger wird). Bis auf ein kleines Crêpe waren wir diesmal nicht auswärts essen – die tolle Auswahl im Carrefour und die vielen Boulangerien verführten ständig zu einem leckeren Picknick. Knuspriges Baguette, belegte Brötchen, Pain au Chocolate, Croissant und Quiche – was will man denn noch mehr?! Während unserer Reise mussten wir unsere Bremsen erneuern und eine Werkstatt aufsuchen, was ebenfalls super unkompliziert geklappt hat. Negativ zu erwähnen sind (neben dem nicht vorhanden Willen auch nur ein Wort englisch zu sprechen) generell die nur mäßige Freundlichkeit und absolut nicht vorhandene Flexibilität der Franzosen. Kleines Beispiel: wir wollten ins Hallenbad gehen weil Zoé das tägliche Schwimmen aus Asien so vermisste. Am Eingang teilte man uns (natürlich auf Französisch) mit, dass Zoé zwingend eine Einwegschwimmwindel benötigte, die man am Automaten kaufen konnte (mit knapp 2,5 sind einige Kinder schon trocken, davon abgesehen hatten wir eine Mehrwegschwimmwindel dabei, die aber nicht akzeptiert wurde). Darüber hinaus waren für alle Badekappen vorgeschrieben, die wir ebenfalls zu einem hohen Preis am Automaten erwerben mussten. Wir ärgerten uns schon jetzt über den „teuersten Schwimmbadbesuch aller Zeiten“, gaben Zoé zuliebe aber nach. Als wir dann geduscht und umgezogen in der Schwimmhalle ankamen wurde Jan mit seiner ganz normalen Badeshorts kurzerhand rausgeworfen – hier waren nur „Eierkneifer“ erlaubt, ganzes Geld umsonst ausgegeben… solche Aktionen erlebten wir in Frankreich (auch bereits im Elsass) leider recht häufig... Jeder Camper kennt auch diese Situation: völlig egal auf welchem Kontinent oder in welchem Land man morgens im Waschraum auf einen Franzosen trifft: er grüßt stoisch mit "Bonjour"... was soll man dazu noch sagen - die Franzosen wissen einfach wie man sich unbeliebt macht...