Norwegen (12.06.-21.06. und 23.06.-27.06.2018)

Zugegeben – die Erwartungen an Norwegen waren hoch. Traumhafte Landschaften, gewaltige Natur, idyllische Freisteh-Plätze, angeln an einsamen Seen, Kanu fahren und Lagerfeuer – so in etwa stellten wir uns die Tage hier vor. Was wir bekamen sah anders aus: da es nicht viel bebaubares Land gibt, ist so gut wie alles privat. Einsame Nächte am See – kannste vergessen. Wenn man frei stehen möchte kann man dies nur mit vielen weiteren Campern auf Park- und an den eher seltenen Picknickplätzen. Lagerfeuer waren über den kompletten Sommer verboten. Generell ließ die Infrastruktur wenig Raum für kinderfreundliche Pausen und Unternehmungen. Spielplätze gab es nur ganz selten, an die schönen Seeufer kam man wie gesagt fast nie ran. Durch das enorm hohe Preisniveau kamen Dinge wie Essen gehen, Freizeitpark oder sich den Mittag beim Shopping zu vertreiben nicht in Frage. Ketten wie Starbucks und Co. gab es fast nie. Selbst die kleinste Dorfkirche verlangte Eintritt wenn man sich einmal umschauen wollte. Die Aktivitäten beschränkten sich in erster Linie auf wandern, was uns jedoch meist durch das Wetter vermiest wurde. Unendlich viel Regen, Hagel, Sturm und sogar Schnee – Temperaturen meist um den Gefrierpunkt – so sahen die meisten unserer Tage aus. Was blieb uns da anderes übrig als zu fahren, fahren, fahren und die Landschaft wenigstens aus dem Fenster zu genießen. Und um dem ganzen noch ein Krönchen aufzusetzen waren die Norweger unfassbar unfreundlich. Niemand grüßte, keiner reagierte auf Zoé’s Lachen oder ihre Kontaktversuche mit anderen. Autofahrer schnitten uns, hupten uns an oder zeigten uns den Mittelfinger. Nicht nur einmal waren wir drauf und dran unsere Nordkap-Pläne abzubrechen. Was uns davon abgehalten hat war einzig und allein die Natur – die war wirklich gewaltig. Türkisblaue Gletscherseen, wild schäumende Flüsse, schroffe Berge, tief eingeschnittene Fjorde, kleine Fischerdörfer, beeindruckende Passstraßen, Schneefelder, weite Tundra, eisblaue Gletscher – man konnte sich kaum satt sehen.

Wir starteten im Süden des Landes und fuhren an der Westküste nach oben. In Mandal übernachteten wir bei noch recht warmen Temperaturen am Hafen, schlenderten lange durch das Ort, frühstückten auf einer Picknickbank und spielten mit Zoé an einem der seltenen Sandstrände. In Lindenes standen wir am südlichsten Punkt Norwegens, quasi dem Gegenteil vom Nordkap. Kurz darauf erreichten wir das für uns schönste Örtchen im Land – Flekkefjord. Lange spazierten wir durch die alten Holzhäuser, spielten im Park an einem Brunnen und fütterten die Enten und Möwen am Hafen. Dann entdeckten wir einen, noch recht neuen, „Touristenraum“. Hier gab es tatsächlich Duschen und Waschmaschinen – und das völlig gratis, was ein toller Service! Über die Scenic-Route Rv44 ging es nach einer ausgiebigen Wäsche weiter in Richtung Norden. Am nächsten Tag holte uns bereits der Regen ein… noch versuchten wir das Beste aus der Situation zu machen, spielten lange im Bus und besuchten bei Stavanger die Shoppingmall Kvadrat. Teures Fast-Food bei McDonalds, Kinderschminken und ein Frozen Yoghurt – wenigstens Zoé hatte einen tollen Tag. Da uns Stavanger überhaupt nicht gefallen hat fuhren wir am Abend als Zoé bereits schlief noch weiter. Der nächste Morgen war zwar grau und wolkig, aber immerhin trocken. Jan wollte sich die Wanderung zum berühmten Preikestolen nicht entgehen lassen und so mieteten wir uns auf dem Preikestolen Campground ein (es sollte unsere einzige Nacht auf einem norwegischen Campground bleiben). Der Platz lag schön im Grünen, die Atmosphäre war lässig, es gab eine Bar mit Souvenirs, Brötchenservice, Burgern und Fußball-WM, sogar einen Spielplatz und viele netten Leute – wir fühlten uns wohl und verlebten einen schönen Tag. Und wenn man bedenkt, dass der Wanderparkplatz am Preikestolen 21€ kostet, sind die 28€ für den Campground garnicht mehr so viel. Jan brauchte für den Aufstieg nur 1,5 Stunden und der Ausblick auf den Lysefjord war wirklich beeindruckend. Für Zoé wäre der Aufstieg viel zu schwer gewesen und in der Trage wollte sie leider nicht mehr allzu lange sitzen. Auch der nächste Tag meinte es gut mit uns, bei stellenweise sogar sonnigem Wetter fuhren wir um den Lysefjord, legten mal hier einen Fotostop ein, warfen mal dort mit Zoé Steine ins Wasser (ihr größtes Hobby) und genossen die grandiose Landschaft. Die Fahrerei durch Norwegen war durch die unzähligen Tunnel und Fährfahrten total spannend für Zoé (für uns war sie aus den selben Gründen und wegen der Maut in erster Linie teuer). Am Nachmittag kamen wir in ein kleines Örtchen, welches am Hafen neben WC-Anlagen und Picknickbänken sogar gratis Strom anbot. Mit Blick auf den Fjord und die Berge verspeißten wir hausgemachte Frankfurter grüne Soße und saßen später noch bei einem Bierchen mit Dominik und Yvonne aus Hessen zusammen, die einiges mehr an Skandinavien-Erfahrung haben als wir und uns mit wertvollen Tipps versorgten. Leider nicht die Ersten, die uns vom extrem schlechten Wetter weiter im Norden berichteten, es sollte auch die letzte Mahlzeit sein, die wir im Freien einnehmen konnten…

Rauschende Wasserfälle begleiteten unseren weiteren Weg am Ufer des Sørfjord entlang, anschließend vorbei an Obstplantagen und Bauernhöfen die schöne Scenic Route von Utne nach Jondal. Im Steinstø Fruktgard, einer Obstfarm mit Hofladen, ließen wir uns im kleinen Café selbstgemachten Apfelsaft und frischen Karottenkuchen schmecken. Am Steindalsfossen Wasserfall führte ein kleiner Weg hinter den Vorhang des rauschenden Wasserfalls – total cool!

Die berühmte Stadt Bergen hat uns sehr gut gefallen, leider konnten wir sie nur bei strömendem Regen besichtigen, weshalb die geplante „Norway in a nutshell-Tour“ und die Fahrt mit der Fløibahn ins Wasser fielen. Das Hafenviertel Bryggen mit seinen verwinkelten Gassen und bunten Holzhäusern sowie der Torget-Fischmarkt, auf welchem Zoé sich einen Fish-Cake schmecken ließ, waren jedoch super schön! Auch die kleinen Örtchen Aurland und das 450-Seelen Dorf Flåm mit ihrer zauberhaften Lage am Fjord haben uns gut gefallen, leider wurde Letzteres gerade von 2 Kreuzfahrtschiffen geflutet… Die (trockene) Fahrt über den Aurlands-Fjellet sollte die schönste unserer Norwegen-Reise werden, spektakuläre Aussichtsplattformen über dem Abgrund, Tundra-artige Landschaft mit Schneefeldern und Gletscher-Seen, Schafherden auf der schmalen Straße – mega schön! In Laerdal konnte Jan sogar noch etwas angeln bevor der Regen uns am nächsten Morgen wieder einholte… Unser Besuch an der Stabkirche von Borgund aus dem 12. Jahrhundert fiel entsprechend kurz aus. Am Jostedalsbreen, dem größten Gletscher Europas, fuhren wir zur beeindruckend eisblau glitzernden Gletscherzunge Nigardsbreen, an welche man mit einem kleinen Boot ganz nah herangefahren werden konnte bevor uns eine rutschige Kletterpartie direkt ans Eis brachte – total beeindruckend. Ein weiteres Highlight war die Fahrt über den Sognefjellet, auch genannt „Das Dach Norwegens“. Wieder begegneten uns spektakuläre Ausblicke, rauschende Wasserfälle, Haarnadelkurven und türkisblaue Gletscherseen – aber auch Neuschnee und Temperaturen um die 0 Grad…

Die nächsten Tage erwarteten uns das nette Örtchen Lom mit einer schönen Stabkirche, der völlig überfüllte und für uns nicht unbedingt sehenswerte Geirangerfjord, ausnahmsweise mal ein schöner Spielplatz am Meer, die Haarnadelkurven des Trollstigen, ein großer Elch am Wegesrand und der Gubrandsjuvet Wasserfall, welchen man von einem schönen Aussichtsweg über kleine Brücken bestaunen konnte. Unsere vorerst letzten Stationen in Norwegen waren das Örtchen Dombas, in welchem der erste Amerikaner der im 2. Weltkrieg zu beklagen war gefallen ist, sowie der Ort Røros, der einerseits zum Unesco-Weltkulturerbe gehört, andererseits aber auch als einer der kältesten Orte Norwegens gilt. Beides können wir verstehen…. Da das Wetter weiterhin schlecht war und wir über die Region rund um Trondheim nichts Spannendes gehört hatten, beschlossen wir die nächsten 1.000 Km über den Vildmarksvägen in Schweden zu fahren (näheres hierzu im Unterpunkt „Schweden“). 3 Tage später kamen wir bei Mo i Rana wieder zurück nach Norwegen. Auch wenn das Wetter weiterhin schlecht gemeldet war, wollten wir wenigstens noch 2,3 Highlights abklappern bevor wir Norwegen endgültig abhakten. Mo i Rana selbst hat uns gut gefallen, vielleicht auch wegen dem sonnigen Wetter, welches wir dick eingepackt an einem kleinen Strand ausnutzten. Kurz darauf enterten wir den Polarkreis, machten ein obligatorisches Foto und erstanden ein paar Souvenirs. Nun hatten wir die letzten 2 Dämmerstunden in der Nacht auch noch hinter uns gelassen – es war nun rund um die Uhr taghell und würde es nicht so viel regnen, könnte man sogar die Mitternachtssonne sehen. Unseren Camper hatten wir zwischenzeitlich mit diversen Alumatten abgedunkelt, was jedoch auch nur bedingt geholfen hat. Nächster Stop war Saltstraumen, ein bei Anglern sehr beliebter Ort. Vier Mal am Tag ergießt sich hier ein Fjord in den anderen, was zu extremen Strudeln führt. Strudel wirbelt Plankton auf -> Plankton lockt Fische an -> Fische locken Angler an. Vom Ufer aus konnten wir sogar Haie sehen! Natürlich versuchte auch Jan wieder sein Angler-Glück. Von Bodø aus ging es dann mit der Fähre in einer 4-stündigen, sehr turbulenten Überfahrt an den Südzipfel der Lofoten. Auch wenn das Wetter hier wieder einmal nicht mitspielte, hat es sich unserer Meinung nach total gelohnt, die Landschaft war wieder einmal atemberaubend! Schroffe Berge, wildes Meer, wunderschöne rote Fischerhütten die sich an den blanken Fels klammern, teilweise sogar weiße Sandstrände, Hütten auf Stelzen, tolle Örtchen wie Å oder Nusfjord. Überall hingen an großen Holzgestellen Kabeljau-Köpfe zum Trocknen, Stockfische baumelten im Wind. Die Lofoten waren ein weiteres schönes, kaltes, windiges Highlight – und unser Letztes in Norwegen. Wir hatten nun einfach genug von Dauerfrost und Regen, aufgrund des permanenten Heizens ging uns heute sogar die erste Gasflasche leer – es reichte einfach. Das Wetter am Nordkap sollte nicht viel besser sein, dann noch 28€ pro Person Eintritt und 2.000 Km Umweg – für einen Parkplatz, der nicht mal wirklich das nördlichste Ende Europas war – hm. Kurz entschlossen drehten wir bei und fuhren über die Grenze nach Schweden.

 

Fazit Norwegen: 

Man kann es sich wohl schon denken – große Norwegen-Fans sind wir nicht geworden. Die Landschaft war wirklich unfassbar schön, die Fjorde und Fjells unglaublich beeindruckend – doch das war es für uns dann auch schon. Die unfreundlichen Menschen, das hohe Preisniveau, die unschönen Übernachtungsplätze, die schlechte Infrastruktur was schöne Picknick oder Pause-Stellen betrifft, die wenigen Möglichkeiten mit Zoé etwas zu unternehmen, das schlechte Wetter – für uns steht viel zu viel auf der Negativ-Seite als das wir vor hätten wieder zu kommen. Schön gesehen zu haben, für uns war es das aber J.