Ungarn (25.08.2018 – 03.09.2018)

Ungarn – für uns schon immer ein Sehnsuchtsziel. Roter Wein und feuriges Gulasch, wilde Pferde und architektonisch beeindruckende Städte, bunte Zigeunerkleider und Kaiserin Sissi, die Donau und der Plattensee – die Erwartungen waren wieder einmal hoch. Diesmal wurden wir zum Glück nicht enttäuscht, auch wenn es nicht ganz oben in unserer Reise-Hitliste rangiert. Unser erstes Ziel war der Aggtelek Nationalpark. Ein einfacher aber preiswerter Campingplatz, tolle Natur, bunte Souvenirständchen – der erste Eindruck passte. Zum ersten Mal auf der Reise kamen wir mit Deutsch weiter als mit Englisch, insbesondere bei der älteren Generation. In der Baradla Tropfsteinhöhle sahen wir 2 Millionen Jahre alte Stalagtiten und Stalagmiten, kleine unterirdische Flüsse und große Seen. In einem großen Saal mit besonders beeindruckenden Felsformationen hörten wir ein kurzes klassisches Konzert mit passender Lichtshow – ein mega schönes Erlebnis! Im Künstlerort Szentendre schlenderten wir am Ufer der Donau entlang, machten eine Käseprobe auf einem kleinen Markt und bummelten durch die vielen kleinen Lädchen in der Innenstadt, die feurige Paprika, bunte Holzfiguren und duftende Lavendelsäckchen verkauften. Im Restaurant Bárczy, das in einem der ältesten Gebäude der Stadt untergebracht war, ließen wir uns das erste Gulasch schmecken, für Jan gab es Paprikaschnitzel, zum Dessert einen Strudel und natürlich probierten wir auch den berühmten ungarischen Wein, den wir direkt als sehr gut befanden! Das Ambiente mit dunkelbraunen Holztischen vor weiß getünchten Wänden, die mit blau-weißen Porzellantellern geschmückt waren, passte perfekt zu unserem leckeren Essen. Auch die Hauptstadt Budapest hat uns sehr gut gefallen. Die von der Donau in zwei Hälften geteilte Stadt (das hügelige Buda und das flache Pest) war gut zu Fuß zu besichtigen und mit öffentlichen Verkehrsmitteln einfach zu erreichen. Mit dem Ave Natura Camp hatten wir ein perfektes Basislager in Gabor’s Garten, das wir jedem nur wärmstens empfehlen können! Unser Sightseeing-Programm begann früh am Morgen mit einem Spaziergang entlang der Donau auf der Pest-Seite. Wir starteten an der Margit-Brücke und liefen bis zur bunten Markthalle. Unterwegs passierten wir das bewegende Mahnmal der 60 Paar Schuhe am Donau-Ufer, die an die ca. 3.000 Juden erinnern sollten, die im 2. Weltkrieg von den Nazis in den Fluss geschossen wurden. Im jüdischen Viertel, das sich heute zu einem tollen Ausgeh-Viertel mit abwechslungsreichem Nachtleben entwickelt hat, schauten wir uns die 2. größte Synagoge der Welt an und schlenderten dann durch die vielen Bars und Restaurants bis wir zufällig an der Karavan Streetfood-Meile vorbeikamen: eine kleine Gasse mit Tischen und Bänken unter bunten Lampions mit etwa einem Dutzend verschiedener Streetfood-Wägen – genau unser Ding J. Zum Mittagessen gab es heute also Burger und Passionsfrucht-Limo. Eine weitere witzige Besonderheit in Budapest sind die sogenannten „Ruin-Pubs“ – hippe Bars in alten, baufälligen Locations, denen neues Leben eingehaucht wurde. Wir gingen nach dem Essen auf ein Bierchen ins Szimpla Kert – eine rießige Partylocation mit vielen kleinen in- und outdoor Räumen, völlig verrückt eingerichtet – hier war abends sicher einiges los. Beim Bummel durch das tolle Viertel kehrten wir noch zwei weitere Male auf einen Kaffee oder ein Eis in eine der unzähligen Bars und Cafés ein bevor wir die St. Stephans Basilika, Budapests größte Kirche, erreichten. Die Kettenbrücke brachte uns dann auf die Buda-Seite, wo wir mit der zweitältesten Standseilbahn Europas auf den Burgberg hinauf fuhren. Die Matthiaskirche, in welcher Kaiserin Sissi damals gekrönt wurde, hatte mittlerweile leider geschlossen, sie bot jedoch auch von Außen ein beeindruckendes Bild! Mit einem Picknick bewaffnet suchten wir uns dann einen tollen Platz in der Fischerbastei mit Blick auf das beeindruckende Parlamentsgebäude auf der Pest-Seite und genossen den Sonnenuntergang – ein rundum gelungener Tag! Unendlich weite Sonnenblumen- und Maisfelder brachten uns am nächsten Morgen weiter in den Osten des Landes bis in den Bükk-Nationalpark. Der größte Nationalpark des Landes war bekannt für seine Höhlen und seine großen Eichen-Wälder, uns konnte er leider nicht wirklich überzeugen. Ein Picknick, ein gemütlicher Campingabend, ein kleiner Wasserfall, ein Hotel mit Blumengarten und Spielplatz – das war es dann schon. Im berühmten Weinanbaugebiet Tokaj hat es uns dagegen schon viel besser gefallen. Liebliche Weinberge, kleine Dörfer und urige Weinkeller. Natürlich ließ Tatj sich auch eine Weißweinprobe nicht nehmen und wir füllten die Board-Küche ordentlich auf J. Eine weitere Besonderheit im Land sind die unzähligen Thermalbäder, die es oftmals sogar direkt auf den Campingplätzen gab. Ein besonders schönes fanden wir in Hajdúböszörmény, wo wir uns 2 Tage in den großen in- und outdoor Becken entspannten – wunderschön! Dann ging es endlich hinein in die berühmte Puszta! Im Hortobágy Nationalpark fuhren wir zum über 300 Jahre alten Pferdegestüt Máta, wo wir uns die Ställe anschauen und den Pferden beim Reittraining zuschauen konnten. Auf holprigen Pferdekutschen ging es dann hinaus in die Weite der Puszta, wo wir Herden der hier gezüchteten Noniuspferde sowie Graurinder, Zackelschafe und Wasserbüffel sahen. Nach einer kurzen Vorführung der ungarischen Reitkünste folgte das Highlight – wir alle durften einmal auf den rießigen Pferden aufsitzen und eine Runde reiten! Nach einem Absacker und einer ruhigen Nacht in Hortobágy fuhren wir am nächsten Tag wieder in die Puszta hinein zum Hortobágy Wildtierpark. In den rießigen Gehegen lebten vorallem vom Aussterben bedrohte ungarische Tierarten wie Auerochsen, Wölfe und Wildpferde, auf den großen Seen tummelten sich Pelikane, Wildgänse und Schildkröten – super schön gemacht! Auf unserer weiteren Fahrt orientierten wir uns langsam wieder Richtung Süden, fuhren durch weite leere Steppe mit großen Rinder- und Pferdeherden, durch kleine Örtchen deren Häuser nur von einem Wassergraben getrennt direkt an die Straßen gebaut waren. Am Straßenrand verkauften Frauen Weidenkörbe, Töpfe und Obst, die Männer saßen in den gemütlichen Gaststätten, Kinder spielten in den Hinterhöfen zwischen Hühnern und Trampolinen – das Leben sah beschaulich aus. Für ein üppiges Mittagessen in einem Lokal am Straßenrand zahlten wir gerade einmal 2,50€. Im Kiskunsagi Nationalpark und am Plattensee war das Wetter leider nicht so gut, weshalb wir uns einen weiteren Thermalbad- Campingplatz gönnten bevor wir uns auf Ahnenforschung in Jan’s Vergangenheit begaben und das Örtchen Ciko besuchten, wo seine Großeltern herkamen. Das kleine Dorf war vor dem zweiten Weltkrieg ausschließlich von sogenannten Donauschwaben bewohnt, woran noch eine Gedenktafel an der Kirche erinnerte. Unseren Ungarn-Besuch beendeten wir dann wie bereits im letzten Land auf einem holländisch geführten Campingplatz: dem Camp Idyll kurz vor der kroatischen Grenze. Mitten im Grünen an einem kleinen Teich unter Apfelbäumen waren wir die einzigen Gäste und genossen unseren Aufenthalt in vollen Zügen. Ein letztes großes ungarisches Abendessen rundete den Tag ab: Suppe, Palatschinken mit Hackfleisch, Rouladen und zum Abschluss Palatschinken mit Quark – vollgefuttert kugelten wir ins Wohnmobil und träumten von süßem Wein, den Wildpferden und der ungarischen Puszta.

 

Fazit Ungarn:

Manches war besser als erwartet, anderes schlechter. Manche Menschen war auffallend freundlich, manche extrem unfreundlich. In der Summe hatten wir aber eine spannende Zeit in einem tollen Land! Das Essen war sehr lecker, die Preise niedrig und der Weißwein unschlagbar. Die Campinginfrastruktur war super ausgebaut, auch wenn manche Camps etwas einfacher gestaltet waren. Besonders toll waren natürlich die großen Camps mit angeschlossenen Thermalbädern – vorallem Zoé hatte rießigen Spaß daran! Die Künstlerstadt Szentendre, die Ruin-Pubs von Budapest, die Weinprobe in Tokaj und das Pferde reiten in den Weiten der Puszta waren unsere Highlights. Garnicht gefallen haben uns dagegen die versiffte Großstadt Miskolc und der Bükk-Nationalpark. Wir haben uns überall sicher und willkommen gefühlt, freigestanden haben wir nur deshalb nicht, weil es in Ungarn verboten ist und wir unser Glück in der Hauptsaison nicht herausfordern wollten. Apropos Hauptsaison: hiervon hat man im Land recht wenig gemerkt, zwar waren fast alle Touristen deutsch, doch es waren in der Summe nicht besonders viele, selbst die Hauptstadt Budapest war nicht überlaufen und auf manchen Camps waren wir sogar ganz allein. Wieder einmal eine schöne Zeit in einem schönen Land – das 11. Land unserer bisherigen Reise J.